Die purpurnen Flüsse (2000)

Die Purpurnen Flüsse
erhältlich als Einzel-DVD, als Limited Collector’s Edition im 2-Disc-Metalpack und in der Die Purpurnen Flüsse I&II Colector’s Box

Die Umsetzung seines Buches als Drehbuch nahm mein Lieblingsautor Jean-Christophe Grangé zum Glück selbst in die Hand. Geminsam mit Matthieu Kassowitz, der nicht nur am Drehbuch mitwirkte, sondern auch Regie führte, schafft Grangé es wirklich perfekt sein Werk in einen packenden Fim zu verwandeln. Der Inhalt des - sehr detail- und handlungsstrangreichen - Buches wird hier komprimiert und reduziert und einige kleine Begebenheiten werden abgeändert, um sie filmisch zugänglicher zu gestalten. Änderungen und Kürzungen werden genau an den richtigen Stellen vorgenommen und lassen dem Film so genügend Material.

Der pariser Kommissar - und unter seinesgleichen bekannter “Superbulle” - Pierre Niémans, gespielt von Jean Reno, wird in die zwischen mehreren Glätschern der Alpen gelegene Universitätsstadt Guernon gerufen, um einen Mord aufzuklären, wie er den lokalen Behörden noch nie zuvor untergekommen ist. Die verstümmelte Leiche des Bibliothekars der Universität weist nicht nur Folterspuren auf, sondern markiert für Niémans auch den Anfang einer Schnitzeljagd: der Killer platziert gezielt Hinweise in seinen Opfern, um den Kommissar auf einem bestimmten Weg dazu zu bringen, die unglaublichen Geiheimnisse der elitären Universität ans Licht zu bringen.
Gleichzeitig untersucht Lieutnant Max Kerkérian, ein Polizist mit dunkler Vergangenheit, der von Vincent Cassel verkörpert wird, in seinem kleinen Kaff Sarzac die Schändung eines Grabes und einen Einbruch in die örtliche Grundschule. Als Kerkérian herausfindet, dass die beiden Taten zusammenhängen, verfolgt er die Spur weiter bis sie ihn nach Guernon führt, wo sich die Wege der beiden Polizisten kreuzen.
Gemeinsam machen sie sich nun daran, die Wahrheit über vermeindliche Teufel, Elite und Methoden des Ortes und der Bildungsstätte Stück für Stück aufzudecken. Die Vielzahl von Beteiligten an einem monströsen Komplott wirft ihnen hierbei allerdings Steine und Berge in den Weg…

Der Film schafft es eine unglaubliche Spannung aufzubauen und lässt den Zuschauer ungeduldig darauf warten, dass der Zusammenhang zwischen den sich parallel abspielenden Geschichten endlich ersichtlich wird. Der (mehr-, nicht einmalige) Wechsel zwischen Guernon und Sarzac, Niémans und Kerkérian baut zusätzliche Spannung auf.

Die beiden Hauptrollen treffen wir im Film in der absolut idealen Besetzung an. Jean Reno entspricht genau dem Typ Polizist, den Jean-Christophe Grangé in seinen Büchern beschreibt (siehe auch Das Imperium der Wölfe) und ist somit als Pierre Niémans perfekt geeignet. Auch Vincent Cassel ist die Top-Besetzung für den Dorfpolizisten, der im Dienst kifft, Autos klaut und sich furios prügelt.
Diese Idealbesetzungen sind zugleich ein Traumduo wie es besser nicht zusammenpassen könnte: beide sind gleichgroß, haben eine markante Nase und zeigen Parallelitäten in ihren Charaktereigenschaften als Polizisten: ein knallhartes Team, das einstecken wie auch austeilen kann.

Die düstere Stimmung im von Gletschern umgebenen Tal, in dem Guernon sich befindet, und dass sich deshalb in ständiger Gefahr der Gewalt der Natur befindet, passt extrem gut zur Handlung des Fims. Tagtäglich dieser Bedrohung ausgesetzt, befinden sich unter den Bewohnern der (Universitäts)Stadt auch fast ausschließlich Menschen mit düsteren Charakteren (Hier treffen wir neben Nadia Fares, die als Fanny Ferreira - Gletscherexpertin - die erste Leiche entdeckt, auch den Vater von Vincent, Jean-Pierre, Cassel, der in seiner kleinen Rolle als Augenarzt Dr. Bernard Chernezé glänzen kann). Was die Natur angeht so trägt auch das Wetter, mit viel Regen und Gewitter, sehr passend zur düsteren Stimmung bei.

Grangés Thriller sind immer etwas “disturbing” (ich entschuldige mich für das nicht-deutsche Wort, aber “gestört” trifft es einfach nicht so gut), was sich auch auf den Film auswirkt: halbe Köpfe oder Hundewelpen “in Aspik”, die sich in Augenarztpraxis und Versuchslabor befinden haben einen gewissen Igitt-Faktor, der -in meinen Augen - ekeligste Part des Films wird dem Zuschauer allerdings gleich zu Beginn des Fims im perfekt gefilmten Vorspann geliefert. Als Einstimmung auf alles folgende sind diese Kamerafahrten über den Bibliothekar als Nahaufnahmen zweifellos unübertrefflich gewählt.

Kameraeinstellungen, Schnitt und Vertonung entsprechen dem Film in vollem Umfang und der Soundtrack des Films hätte passender kaum sein können. Er spiegelt die Stimmung des Films extrem gut wieder und wirkt ebenfalls auf den Betrachter ein, unterstreicht die Bilder sehr gekonnt. In einer Szene, im Quartier der Skinheads, greift der Score direkt einen Teil das Geschehen des Films - ein Videospiel - auf, dass sich letztendlich auch eingebettet in den Text Cassels einfindet: ein Zusammenspiel, dass man ohne zu zögern und ohne zu überteiben mit dem Wort “genial” beschreiben kann.

Das Ende des Films ist neu erfunden, basiert nicht auf dem Buch. Für einen Film ist es besser geeignet, passt sich aber nicht 100%ig optimal ein und wirkt deshalb etwas merkwürdig, zumal hier CGIs angewendet werden.

Eine kleine Anmerkung noch: wer der französischen Sprache mächtig ist, sollte sich diesen Streifen unbedingt im O-Ton anschauen…!

Insgesamt ist dieser fesselnde Thriller, der den Zuschauer in die Senke einer ungeahnten Verschwörung mitreißt, vom Anfang bis zum Ende mehr als nur sehenswert. Dem Buch des Autors wird in jeder Hinsicht gerecht. Von der sehr gelungenen Adaption der Animation des Filmkonzerns Gaumont bis zum Ende des Abspanns ist einfach alles stimmig (die Lawine am Ende außen vor gelassen). Große Filme müssen nicht zwingend made in Hollywood sein, Die purpurnen Flüsse ist ein französisches Beispiel dafür. Bestzt ist der Film einfach perfekt und das Team Pierre Niémans (Jean Reno) und Max Kerkérian (Vincent Cassel) ist so schnell nicht zu übertreffen: da sollten sich auch Traumpartner wie Riggs und Murtaugh oder Ernie und Bert noch einen (Ringel)Pullover mehr anziehen.
:D

Der Film bekommt von mir
9,5/10 Punkten (schuld an den -0,5 Punkten ist das Ende…)

Das entsprechende, superspannende und einfach genial geschriebene, Buch von Jean-Christophe Grangé, dass auch nachdem man den Film gesehen hat sehr zu empfehlen ist, ist übrigens u.a. in der Süddeutschen Zeitung|Bibliothek erschienen und für 4,90€ zu erstehen. Gerade für diesen Preis möchte ich es euch allen unbedingt ans Herz legen!! Vielleicht haben wir danach ja den gleichen Lieblingsautoren…? ;)

6 Antworten zu “Die purpurnen Flüsse (2000)”


  1. 1 Palantir Mai 1, 2008 um 8:23 Uhr nachmittags

    Hhmm. Ich habe garnicht mitbekommen dass du jetzt auch blogst. :)

    zu “Purpurne Flüsse”:

    Der Film war bis auf das Ende wirklich nicht schlecht - auch wenn die Storyline insgesamt doch etwas abgehoben ist. :o) Aber das war sie ja auch in der Buchvorlage von Grangé (da gefiel mir das Ende erst recht nicht). Im Vergleich zum Film, waren die Charaktere im Buch aber nochmal deutlich härter und unsympathischer.

    lg
    Mike

  2. 2 The-Duke Mai 1, 2008 um 8:29 Uhr nachmittags

    Aber Hallo, Isis nicht schlecht :-). Ich kann alle von dir angesprochenen Punkte nahtlos übernehmen und bestätigen, großartiges französisches Kino, obgleich ich die Roman-Vorlage leider noch nicht kenne. Nun würden mich deine Eindrücke zum zweiten Teil sehr interessieren, am besten natürlich wieder in Form einer Kritik :-). Mach weiter so, hat wirklich Spaß gemacht deinen Ausführungen zu folgen ;-)

  3. 3 isinesunshine Mai 1, 2008 um 8:30 Uhr nachmittags

    Dass die Charaktere - und im Übrigen auch die Story - im Buch härter sind stimmt auf jeden Fall, nur wollen die meisten Konsumenten soetwas im Film eher nicht sehen (wenn alle Details des Buches 1:1 umgesetzt worden wären, hätte der Film bestimmt ne FSK kJ erwischt), deshalb finde ich die Umsetzung vom Buch zum Film auch sehr gelungen.

  1. 1 Die purpurnen Flüsse II - Engel des Apokalypse « isinesunshine Trackback zu Mai 2, 2008 um 12:28 Uhr vormittags
  2. 2 Tödliche Versprechen - Eastern Promises am Dienstag im Uni-Kino « isinesunshine Trackback zu Mai 29, 2008 um 6:41 Uhr nachmittags
  3. 3 Tödliche Versprechen - Eastern Promises (2008) « isinesunshine Trackback zu Juni 4, 2008 um 8:00 Uhr nachmittags

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