Die purpurnen Flüsse II – Engel des Apokalypse (2004)

Auf besonderen Wunsch eines einzelnen Herren… :D Nein, Rico, nur ein Scherz, Wer A sagt, muss ja bekanntlich auch B sagen und deshalb sage ich, nachdem mir “Die purpurnen Flüsse” über die Lippen – bzw. die Tastatur ;) – kam, nun

Die purpurnen Flüsse II – Engel der Apokalypse.

erhältlich als Einzel-DVD (zu Amazon), als Special Edition im 2-Disc-Digipack und in der Die purpurnen Flüsse I&II Collector’s Box

Kommissar Pierre Niémans, wieder gespielt von Jean Reno, wird aus Paris nach Lothringen gerufen, wo er einen Mord aufklaren soll: in der Wand der Zelle Nr. 13 eines Klosters schwarz vermummter Mönche befindet sich eine Leiche. Das Opfer war noch bei Bewusstsein als es eingemauert wurde und war zu Lebzeiten Teil einer Gruppe von 12 “Aposteln”, die sich um Jesus vesammelt hatten.
Reda, ehemaliger Schüler Niémans, verkörpert von Benoît Magimel, befindet sich mit zwei seiner Kollegen im Auto, das Jesus überfährt. Dieser wurde zuvor angeschossen und wird nun ins Krankenhaus verfrachtet, wo ein Mönch einen Mordanschlag auf ihn verübt, den Reda jedoch vereiteln kann. Im Krankenhaus findet Niémans Jesus und die beiden Polizisten treffen unweigerlich aufeinander.
Nach und nach sterben die 12 Apostel durch die Hand der Killermönche und Niémans und Reda folgen dieser blutigen Spur. Hilfe bekommen sie von Polizistin Marie, die außerdem studierte Religionswissenschaftlerin ist. Sie findet heraus, dass sich alles um die Apokalypse in 7 Siegeln dreht. Nachdem das 7. Siegel gebrochen ist, kann derjenige, der gebrochen hat, das von Gottes Hand geschriebene Buch lesen.
Derjenige, der genau dieses Ziel verfolgt ist Heinrich von Garten, gespielt von einem super Schauspieler für Bösewichter: Christopher Lee, ein deutscher Diplomat, der während seiner Zeit in der Wehrmacht das Versteck des Buches unter der Maginot-Linie entdeckt hatte.

Diese Fortzestzung von Die purpurnen Flüsse basiert zwar auf den von jean-Christophe Grangé erfundenen Charakteren, dieser wirkte hier jedoch nicht am Drehbuch mit, welches von Luc Besson, DEM französische Hollywood-Drehbuchautoren verfasst wurde. Das Poblem, dass sich hierbei ergibt, ist, dass Grangé und Hollywood einfach nicht zusammen passen.

Die Anfangssequenz nach dem Vorspann, die Nahaufnahmen der Jesusstatue im Regen, passen zum Kontext, wirken dadurch, dass die Statue aber deutlich langweiliger ist als die Leiche im ersten Teil, aber wie ein schlechter Abklatsch desselben.

Benoît Magimel spielt seine Rolle wirklich gut, weshalb ich es mir spare darüber zu mutmaßen wie der Film gewesen wäre, wenn Vincent Cassel nicht abgelehnt hätte. Nicht abzustreiten ist allerdings, dass das Duo Reno-Cassel nicht getoppt werden kann und die Lehrer-Schüler-Beziehung zwischen Niémans und Reda irgendwie komisch wirkt.

Dem Film wird viel Spannung dadurch genommen, dass man von Anfang an weiß, dass es sich bei den Hintergründen der Geschehnisse um eine – irgendwie geartete – religiöse Motivation handelt. Als Niémans die Expertin für religiöse Fragen anfordert wird man darin beträtigt, dass dies auch den Polizisten nicht entgangen ist.

Von Anfang an findet sich im Film ein hohes Maß an Technik wieder: sowohl im Film selbst, als auch in der Bearbeitung. Im Mönchskloster wird die Leiche in der Wand durch eine Röntgenstrahlenkanone sichtbar gemacht, die Polizei arbetet mit PCs und hochmodernen DNA-Identifikationsprogrammen, es finden sich CGI-Effekte ein und die verwendeten Waffen hätte genau so gut John Rambo im Anschlag haben können: Hollywood eben. Hollywood, aber einfach nicht Frankreich. Die Stunts der Killermönche sind wirklich cool und ein Augenschmaus, sie passen nur einfach nicht zum Film.

Wie schon im ersten Teil wird auch hier Wetter als Stilmittel und zur Übermittlung von Stimmung eingesetzt. Dieses Mal nicht nur durch Regen und Gewitter, sondern insbesondere durch sich zuziehenden Himmel. Das ist zwar eine passende Absicht, an deren Umsetzung es jedoch hapert: die Sonne scheint, es gibt viele helle, gar überbelichtete Bilder, die für sich genommen filmisch nicht zu kritisieren sind, allerdings führen sie dazu, dass die Stimmung des Films bei weitem nicht so düster ist wie die des ersten Teils, was auch hier deutlich besser gepasst hätte.

Im ersten Teil gibt es durchaus Szenen zum schmunzeln, die sich durch feinsten Sarkasmus auszeichnen. Besson schafft diesen Sprung zur Ironie der Intelligenten leider nicht und bleibt so auf der Ironie sitzen, die nicht nur schmunzeln, sondern lachen lässt, was sich nicht mit dem Plot vereinbaren lässt. Der Film endet mit einem Witz, was anschließend vom Score während des Abspanns aufgegriffen wird. Herr Besson, was haben sie sich denn dabei gedacht?

Gekonnte Szenenübergänge und sehr gute Kameraarbeit sind hier keinesfalls von der Hand zu weisen, machen die doch sehr unlogische Story jedoch nicht wett. Was die Action im Film angeht, könnte er durchaus ein No-Brainer sein – dafür will die Story dann aber doch zu viel. Das heißt, wenn man den Film wirklich mit ausgeschaltetem Hirn anschaut, wird er nicht nur langweilig, sondern noch unlogischer und man vermisst mehr Actionsequenzen. Würde die Story es tatsächlich schaffen Intelligenz auszustahlen, wäre der Film um Längen besser; so passen die einzelnen Elemente und Komponenten einfach nicht zusammen.

Luc Besson ist für mich einer der ganz großen Drehbuchautoren, aber hier hat er schlicht und ergreifend den Ton verfehlt. Statt einen französischen Film, wie die Taxi-Reihe, zu Papier zu bringen, hatte er sich scheinbar vorgenommen einen Hollywood-Blockbuster auszugestalten, was mit Grangés Charakteren einfach keine stimmige Sache ergeben kann. Durch den ersten Teil sah der Drehbuchautor sich anscheinend gezwungen Nazis mit in seine Geschichte einzubringen, was eine äußerst abstruse Wirkung nach sich zieht.

Die Story ist zu übernatürlich und unrealistisch und verliert deshalb schon gleich zu Beginn des Films ihre komplette Glaubwürdigkeit. Während die Geschichte um Niémans in Teil Eins wirklich hätte passieren können, ist die dieses Sequels viel zu realitätsfern, als dass man auch nur in Grundzügen darüber nachdenken würde, sie in die Wirklichkeit zu übertragen. Die Tatsache, dass das was man liest sich hier und jetzt ereignen könnte, macht Grangés Bücher und auch das Drehbuch zu Die purpurnen Flüsse aus. Besson wird diesem Aspekt hier nichteinmal ansatzweise gerecht.

Die Kameraführung und der Schnitt sind zweifelsohne sehr gut, liegen aber jeweils nicht auf einer einer Ebene, unterliegen keinem gemeinsamen Thema. Genau das machte den ersten Film zu so einem Meisterwerk – und ausgerechnet darauf wird hier verzichtet.

Der Soundtrack ist, wie der des erste Teils, sehr gut. Durch den letzten Track, der vom Ende der letzten Szene bis zum Ende des Abspanns zu hören ist und nichteinmal annährend zum Rest der Musik passt- aufgrund seiner Leichtigkeit total deplatziert wirkt, erhält er jedoch einen herben Dämpfer.

Der Film ist einfach in keinem erdenkbaren Punkt richtig ausbalanciert; in sich einfach nicht stimmig. Spannung, komödiantische Elemente, düstere Musikstücke, Special Effects, brutale Morde, Action, einen locker-leichten Song zum Abschluss, religiöse Übermittlungen, Verschwörungen, Nazis, Killermönche, Stunts, … und das alles in einem Film: da muss es ja schwer sein, ein bestimmtes Genre zu treffen. Durch den Mangel an Gleichgewicht kann der Film einfach nicht überzeugen und selbst Eliteschauspieler wie Jean Reno und Christopher Lee können leider nichts dagegen ausrichten.

Sorry, Luc Besson, aber es gibt einen Grund dafür, dass Grangé mein Lieblingsautor ist: ich bin mir daher sicher, er hätte sich für die Fortsetzung eine deutlich bessere Story ausgedacht.

Eine Bewertung in Punkten für den Film abzugeben fällt mir dennoch sehr schwer, da sich die komplette oben abgegebene Wertung auf den ersten Teil des Films bezieht. Für sich alleine genommen (und auch ohne den Bezug zu dessen Buchvolage von Grangé) wäre Die purpurnen Flüsse II – Engel der Apokalypse sicher besser weggekommen, was ich also in den
7/10 Punkten berücksichtige.

DVD bei Amazon

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