Die romanbasierte TV-Produktion Archangel, deutscher Titel Die rote Verschwörung, wurde hierzulande Anfang April 2007 im ZDF ausgestrahlt.
In der Nacht von Stalins Tod fährt der junge Papu Rapava seinen Vorgesetzten Lavrenty Beria zu Stalins Quartier. Dort erhält er den Auftrag nach einem Schlüssel zu suchen, den er in Stalins Tasche findet. Der Schlüssel öffnet eien Tresor im Hauptquartier des “Vaters” im Kreml, aus dem Beria ein Notizbuch holt, das er Rapava im Garten seiner Villa vergraben lässt.
Russland heute. Historiker, Autor und Playboy Fluke Kelso (Daniel Craig) ist auf russische Geschichte – insbesondere Stalin – spezialisiert und so treffen wir ihn bei einem Vortrag über den eben Genannten in Moskau an. Nach seinem Vortrag, wird Kelso von Papu Rapava abgefangen, der ihm die Geschichte um die unveröffentlichten Memoiren Stalins erzählt und daraufhin verschwindet. Nachdem er dem KGB-Hardliner Vladimir Mamantov einen Besuch abgestattet hat, begibt Kelso sich zur ehemaligen Villa Berias und wird dabei von Gehimdienstlern verfolgt, die Mamantov überwachen. Er findet tatsächlich die Stelle, an der Rapava das Buch versteckt hatte, allerdings wurde es kurz vorher wieder ausgegraben. Um Rapava zu finden, sucht der Historiker dessen Tochter Zinaida (Yekaterina Rednikova) auf, die ihn für 400$ zum Wohnblock ihres Vaters bringt.
Als Kelso in die verwüstete Wohnung kommt, findet er die Leiche seines Informanten vor und wird überfallen, während er die Polizei verständigen will. Ohne Papiere meldet er den Mord auf der nächsten Wache und wird selbst verhaftet. Der Geheimdienst veranlasst seine Freilassung und zwingt ihn, das Land zu verlassen.
Am Flughafen wird er von Zinaida abgefangen, der ihr Vater per Anrufbeantworter mitgeteilt hatte, sie solle sich an Fluke wenden. In der abgelegenen alten Garage Rapavas finden die beiden ein Tagebuch, das nciht die Memoiren Stalins enthält, sondern von einem jungen Mädchen geschrieben wurde. Mit von der Partie ist auch der aufdringliche Paparazzi R. J. O’Brian (Gabriel Macht), der Zinaida und Kelso vom Flughafen aus gefolgt war.
In der Redaktion, in der O’Brian arbeitet, finden die drei heraus, dass Stalin das Mädchen aufgrund ihrer körperlichen Vorzuge als Mutter seines Kindes auserkoren hatte. Kelso und Zinaida stehlen O’Brians Jeep und fahren in den Geburtsort des Mädchens, während der Journalist sich – ohne Auto – einen Flieger chartert, um ans selbe Ziel zu gelangen.
Nachdem alle wieder beisammen sind, begeben sie sich auf die Suche nach Stalins Sohn, die verschiedene Parteien aus den undurchsichtigsten Gründen verhindern bzw. erleichtern wollen.
…
Der Film ist nicht nur ein guter und spannender Thriller, sondern auch eine eher dramatische Studie Russlands. Er geht auf die Vernarrtheit der Menschen in die alte Zeit ein und zeigt die Situation der veramten Landbevölkerung auf, die den Kapitalismus verfluchen und die Rückkehr des arbeitbringenden Kommunismus ersehen.
Es geht um den Vater-Kult. Darum dass der Mann, der mehr Todesurteile unterzeichnet und Verbrechen veranlasst hat als irgendein anderer, auch heute noch verehrt und gefürchtet wird, weil “[sein Teufel im Gegensatz zu Hitler nie ausgetrieben wurde; es in Russland kein Nürnberg gab]“. So existiert Putins Generation von Hugo Boss, Handel und Reichtum nur in Moskau und selbst dort klaffen die sozialen Unterschide innerhalb eines kleinen Radius extrem weit auseinander. Die Armen werden immer ärmer und das Vermögen der wenigen Reichen wächst stetig heran.
Vor diesem Hintergrund ist das mitreißenste und erschreckenste an John Jones’ Film, dass er durch die eingeflochtenen historischen Bezüge – obwohl die Handlung rein fiktiv ist – über so eine Realitätsnähe verfügt, dass dem Zuschauer der Eindruck vermittelt wird, es könne alles genau so geschehen sein und noch passieren: heute oder morgen.
Hier werden Thriller und Russlandstudie vereint. Die Schauspieler können allesamt in der Darbietung ihrer Rollen überzeugen: Daniel Craig als arroganter, selbstgefälligen Playboy, den die Geschichte in ihren Bann gezogen hat, Yekaterina Rednikova, die als Zinaida nicht an die Geschichte glaubt und die alten Zeiten verflucht, die ihr Kindheit und Vater genommen haben und die sich neben ihrem Jura-Studium in Bars für die reiche Oberschicht prostituiert, Gabriel Macht, der den sensationsgeilen und profitgierigen, arroganten Journalisten – den “Pitbull”, die Schweißfliege – darbietet, der durch diese Eigenschaften – vor allem die ersten zwei – ohne auf Kelso zu hören eine Lawine ungeahnten Ausmaßes lostritt.
Ein düster gehaltener Film, der für alle mit Aversion gegen Geschichte vermutlich langweilig werden kann, ansonsten aber alles bietet, was er soll. Dass das Ende des Films etwas vorhersehbar ist, ist völlig unerheblich, da der erahnte Teil sowieso nur ein paar Sekunde dauert. Ein intelligenter Film, an dem mir übrigens auch der Schnitt positiv aufgefallen ist, mit passendem Score in düsterer Stimmung. Sehr zu empfehlen.
Von mir erhäl der Film dafür
8/10 Punkten
Nachdem ich gestern gesehen habe, dass die DVD auf die ich nunmehr seit über einem Jahr gewartet hatte, im Januar endlich in Deutschland erschienen ist, musste ich feststellen, dass sich der Kauf der Scheibe hierzulande nicht wirklich lohnt. Der Film ist bei uns nur als Einzel-DVD im Amaray-Case erhältlich und zudem noch 7 Minuten gekürzt, außerdem sind die ausländischen Cover schöner. Ich werde also – wie sowieso gepalnt – doch auf die niederländische, britische oder amerikanische Version zurückgreifen müssen, was ich auch jedem anderen rate, der sich den Film zulegen möchte.
Der Thriller “Aurora”, geschrieben von Robert Harriserschien 1998. Aurora ist der deutsche Titel, der englische Originaltitel ist Archangel. Was Aurora bedeutet, erfährt man am Anfang des Film bei einer “Die Geschichte gehört Russland”-Demonstration gegen Kelsos Vorträge: Aurora ist eine kleine Gruppierung die vom KGB-Hardliner der alten Schule Vladimir Mamantov angeführt wird.
Was die Wahl der Titel angeht, finde ich deutschen zwar ganz angebracht und eigentlich ganz gut angepasst, der Originaltitel von Buch und Film gefällt mir jedoch deutlich besser (das Wort kommt im Original des Films auch vor). Archangel passt einfach zur Bedeutung des Sohnes ihres “Vaters” und der erlösenden Funktion, die so viele Russen der Rückkehr des Kommunismus zusprechen.











Hmmm, von diesem Craig-Streifen haben ich noch nie etwas gehört.
Klingt jedoch sehr interessant, muss ich sagen. Aber wenn die deutsche Version wirklich so misslungen sein soll, dann werde ich wohl irgendwann auf eine Importscheibe zurückgreifen müssen. Aber sehr interessant, wirklich. Den will ich sehen