No Country For Old Men
Ein Polizist verhaftet einen bleichen und psychopathisch aussehenden Mann und nimmt ihn mit auf die Station. Nachdem er seinen Sheriff, Ed Tom Bell (Tommy Lee Jones), darüber informiert hat, bringt der verhaftete ihn um und flieht im Polizeiauto des Toten. Für das nächste Auto bringt er dessen Fahrer um.
Der sich im Ruhestand befindliche Schweißer und Vietnam-Veteran Llewelyn Moss (Josh Brolin) findet auf der Jagd nahe des Rio Grande das Schlachtfeld eines geplatzten Drogendeals. Das mexikanische Heroin ist noch da, vom Geld fehlt allerdings jede Spur. Moss macht sich auf die Suche und findet den Koffer mit einem Inhalt von 2 Millionen Dollar. Idiotischer und unvorsichtiger Weise kehrt er in der Nacht zum Schlachtfeld zurück, um einem Angeschossenen Mexikaner das Wasser zu bringen, das er ihm einige Stunden zuvor verweigert hatte. Blöd nur, dass die mexikanischen Drogenbosse zur selben Zeit an den Ort des Geschehens kommen und sich die Drogen und das Geld holen wollen. Sie verfolgen Moss, der jedoch entkommen kann.
Während Moss seiner Frau aufträgt bei ihrer Mutter unterzutauchen, kommen auch die amerikanischen Drogenbosse und ihr psychopathischer Handlanger Anton Chigurh (Javier Bardem), der anfangs verhaftet worden war, an den Tatort. Die Droge haben die Mexikaner verschleppt und nachdem er die zwei Anzugträger, mit denen er gekommen war, erschossen hat, macht sich Chigurh mithilfe eines Peilsenders auf die Suche nach dem Geld. Moss hat keine Ahnung von dem Peilsender und flieht so ahnungslos vor dem Killer.
Sheriff Bell, der den Tatort auch aufgesucht hat, will Moss beschützen, Chigurh will das Geld zurückbekommen und ihn töten, die Mexikaner wollen zumindest das Geld und so beginnt ein Wettlauf mit mächtig vielen Gegnern…
…
An einen Film, der 4 Academy-Awards gewonnen hat, geht man mit hohen Erwartungen heran, die im Fall von No Country For Old Men nicht erfüllt werden. Da ich die Romanvorlage nicht gelesen habe, kann ich nicht beurteilen, ob der Oscar für das beste adaptierte Drehbuch zurecht gewonnen wurde (nach dem, was ich gehört habe, gehe ich jedoch davon aus).
Die Botschaften, die der Film vermitteln kann, sind „Alles kommt anders.“ und „Die Welt ist grau und zu brutal für die Älteren.“ Insofern wird der Film seinem Titel gerecht: in beiden Aussagen. Tommy Lee Jones übernimmt hier den Part des Älteren, der sich in der grauer und brutaler werdenden Welt überfordert und fehl am Platz fühlt. Da man Jones seine 61 Jahre deutlich ansieht, passt er gut in die Rolle des Sheriffs.
Auch die anderen Rollen wurden treffend besetzt: Javier Bardem ist mit seinem blassen Gesicht, in dem ein leerer Blick sein Zuhause hat, und der ruhigen, merkwürdigen (Synchron)stimme ein guter Psychopath. Josh Brolin schafft es gut, den außen harten und innen weichen Veteran darzstellen, der die vielleicht letzte Chance seines Lebens nutzen will, seinem alten Leben zu entfliehen.
Allerdings bin ich der Ansicht, dass es einige Schauspieler gibt, die die Rolle eines psychopathischen Killers ohne Gewissen und mit Prinzipien besser hätten spielen können. In No Country For Old Men kommt keine Spannung auf, wenn Bardem am Zug ist. Man will nicht prioritär wissen, ob nun Kopf oder Zahl oben liegt oder ob jemand erschossen wird, man wünscht sich viel mehr Chigurh würde endlich die Klappe halten. Als Alternativbesetzung denke ich zum Beispiel an Steve Buscemi, dem man als überlegtem Psychokiller in Con Air gerne zuhört, auch wenn nichts passiert.
Für Llewely Moss fällt mir niemand ein, der den Charakter besser hätte verkörpern können, allerdings finde ich diese Figur ziemlich merkwürdig. In der grausamen Welt, in der die Handlung des Films sich abspielt, haben die Coen-Brüder offensichtlich nicht beabsichtigt, dass das Publikum sich mit den Charakteren identifiziert, allerdings wäre dies auch dann nicht möglich gewesen, hätten sie diese Absicht verfolgt. Llewelyn handelt teils so extrem unverständlich, dass man sich einfach davon distanzieren muss. Nur ein Vollidiot würde nachts zum Schauplatz eines Drogenkrieges fahren, um einem Toten Wasser zu bringen. Genau so absurd ist es, die Tasche voll mit Drogengeld zu behalten, ohne sie zu durchsuchen. Wenn man das Geld schon nicht auf einen Peilsender hin prüft, dann sollte man es doch wohl immerhin in eine andere und unauffälligere Tasche umladen. So sind die Handlungen Moss’ absolut nicht nachvollziehbar für den Zuschauer.
Das Ende des Films ist mehrdeutig und doch relativ nichtssagend. Nicht nur die nicht konvenierende Art des Killers, sondern auch die dahintröpfelnde Story, die den Zuschauer einfach nicht ansprechen will, machen das ganze zu einer sehr langweiligen Angelegenheit. Warum nun ausgerechnet dieser überschwänglich überbewertete Film 2008 vier Oscars bekommen hat, ist mir ein Rätsel.
!!! ACHTUNG, SPOILER !!!
Der Film ist für den Zuschauer im Primzip schon mit dem Tod Llewelyns vorbei, denn mit diesem Charakter stirbt die Story. Anschließend dümpelt alles nur noch so vor sich hin und wirkt überflüssig und unnötig. Das Ende, das die Regisseure für den Film gewählt haben, kommt viel zu apbrupt und lässt den Zuschauer unbeeindruckt im Sessel sitzen, wobei er sich überlegt, was er in den vergangenen zwei Stunden wohl sinnvolleres hätte anstellen können.
!!! SPOILER ENDE !!!
Der Film wurde von allen Seiten so sehr überbewertet, dass sich die Mehrheit dieser Meinung verschrieben hat. In der Realität ist er allerdings nichts anderes als ein langweiles Drama, das sich zieht wie Kaugummi und nicht überzeugen kann.
6/10 Punkten.
Hier entlang geht es zur DVD.
Andere Meinungen:
Kaltduscher (10/10)
KiNGU (10/10)
Kaiser_Soze (9,5/10)
fincher (9/10)
at the movies (8/10)
khitos (8/10)
From Beyond (7/10)
TheRudi (6,5/10)
Ø 8,3/10









Pure Blasphemie
@ Kaltduscher: So schaut`s aus!
@ Isi: Nochmal anschauen! Und diesmal, ohne einen Actionfilm zu erwarten. *g* Javier Bardem hat für seine Darstellung des Killers übrigens einen Oscar erhalten… Irgendwie habe ich so das Gefühl, als hast du dir für diesen Film etwas ganz anderes erhofft….
Um Gottes Willen, einen Actionfilm habe ich nicht erwartet, sondern einen anspruchsvollen Streifen, gerade aufgrund der Oscars. Ich dachte, den Oscar Bardems erwähnt zu haben, aber dann doch nur in den „4 Academs-Awards“ inbegriffen.
).
Zumindest den ersten Teil habe ich mir in der Tat zwei Mal angeguckt, weil ich beim ersten Mal vor Langeweile fast eingeschlafen bin (steinigt mich doch dafür!