Wall•E (2008)

WallE
Der letzte räumt die Erde auf

Seit 700 Jahren ist der kleine Aufräum-Roboter WALL•E (Abk. für Waste Allocated Load Lifter Earth Class) damit beschäftigt den Abfall, den die Menschen auf dem Planeten hinterlassen haben, in handliche Würfel zu pressen und diese zu stapeln. Die Türme, die er aus diesen Abfallwürfeln gestapelt hat, haben schon längst die alte Wolkenkratzer-Skyline der Stadt ersetzt. Die Menschen sind schon vor sieben Jahrhunderten von ihrem verdreckten Planeten ins All geflohen. Auf dem gigantischen Raumkreuzer “Axiom”, gebaut von der BnL, leben sie weiter und genießen dort einen High Tech-Roboter-Rundumservice.

WALL•E ist nicht nur der letzte seiner Art, sondern auch einer der zwei letzten Bewohner der Erde. Sein einziger Freund ist eine Kakerlake. In seiner Zeit auf dem einst grünen Planeten hat er sich weiterentwickelt: er ist neugierig und entwickelt eine Persönlichkeit. So stapelt und presst er nicht mehr ausschließlich und wahrlos alles, was ihm in die Finger kommt, sondern sammelt Dinge, die ihm interessant erscheinen, in einer Kühlbox, um sie am Ende des Tages nach Hause zu bringen. Alle seine Schätze lagert er bestens sortiert in einem Container, der früher vielen Robotern seiner Klasse als Heim diente. Darunter befindet sich auch eine Videokassette des Musicals “Hello, Dolly!”, das WALL•E sich jeden Abend ansieht und tagsüber anhört.

Eines Tages landet ein Raumschiff auf der Erde und setzt den Roboter EVE (Abk. für Extraterrestrial Vegetation Evaluator) ab. Sie hat den Auftrag, die Erde nach Vegetation abzusuchen. Als WALL•E sie trifft, greift sie ihn an, doch die Kakerlake schafft es schließlich den High-Tech-Roboter friedlich zu gesinnen. Als er EVE mit zu sich nach Hause nimmt, weil ein Sturm über die Erde tobt, zeigt er ihr seine Bleibe und seine Schätze. Letztendlich zeigt er der Roboterdame eine Pflanze, die er gefunden hat. Sie nimmt die Pflanze an sich, schaltet sich aus und sendet ein Signal aus. WALL•E versucht vergeblich sie wieder einzuschalten, unternimmt mit ihr romantische Ausflüge, von denen sie leider nichts mitbekommt und muss dann mit ansehen, wie ein Raumschiff sie abholen kommt. Der kleine Roboter klammert sich an das startende Schiff und begibt sich auf eine abenteuerliche Reise, die ihn auf die “Axiom” führt…

WALL•E ist ein grandioser Animationsfilm, der ohne viele Worte auskommt. Die Roboter haben nur drei Worte in ihrem Repertoire und die vielen Laute, die sie von sich geben, wurden nicht extra synchronisiert. Viel hatten die Sprecher der Hauptrollen also nicht zu tun. Einige Menschen mussten gesprochen werden, viele allerdings nicht. Dafür wurden alle Beschriftungen, Schilder, Bildschirme etc. auf deutsch übersetzt, was bei einem Kinderfilm eine wirklich gute und zu lobende Maßnahme ist.

Obwohl es ein Kinderfilm ist, spricht der Film trotzdem jede Altersgruppe an und ist für jeden faszinierend. Ob jung, ob alt, WALL•E wird jeden mitreißen, begeistern und bewegen. Die Story ist leicht verständlich genug für jeden und trotzdem so ansprechend, dass wirklich jeder den Film gesehen haben sollte.

WALL•E mannövriert sich gleich zu Beginn des Films mit seiner menschlichen Art in die Herzen der Zuschauer. Seine Suche nach Schätzen in der Welt aus Abfällen ist sehr süß, allerdings war es sehr erstaunlich, dass in der Szene mit dem Verlobungsring absolut niemand im ganzen Kino gelacht hat; wohl weil sie schon im Trailer zu sehen war. Seine feinsäuberliche Einordnung der gesammelten Gegenstände in seinem Container ist sehr liebevoll und bewegend gestaltet.

So kommt es, dass jeder sofort Mitleid mit der kleinen Blechdose bekommt, als EVE auf ihn schießt. Die Roboterdame schafft es trotzdem schnell ebenfalls Sympathie beim Publikum zu gewinnen. Während WALL•E diesen Erfolg durch seine liebenswerte Persönlichkeit erzielen kann, schafft EVE es durch ihre unbeholfene und unkontrollierte Art mit ihren enormen Kräften umzugehen. Sie ist der typische aerodynamische, optimierte, mächtige Roboter, der auf alles schießt, was sich bewegt, und nur ihren Auftrag im Kopf hat. Einen weiteren wichtigen Punkt auf EVEs Weg in positiv behaftete Gefilde des Zuschauerhirns sind ihre Augen, die zeigen, dass sie trotz allem menschliche Gefühle kennt. Auch bei ihrem Verehrer spielen die Augen eine sehr wichtige Rolle, da er zwar einen Körper, aber keinen Kopf – eben nur die Augen – besitzt.

Die Körper aller Roboter sind absolut funktional gestaltet. Bei EVE ist das am auffälligsten, da sie im Ruhezustand einfach nur ein weißer invertierter Tropfen mit schwarzem Display ist, doch auch WALL•E ist seiner Aufgabe, dem Aufräumen und Müll pressen, körperlich zu 100 Prozent angepasst. Im Ruhezustand ist auch er nur ein Würfel. Bei ihm erkennt man zwar Ritzen, aber dennoch ist er ein Würfel, der so platzsparend verstaut werden kann.

Das Musical “Hello Dolly” spielt eine sehr große Rolle im Film, da es einen Teilverdienst an der Persönlichkeit des Aufräumroboters und Einfluss auf die Beziehung zwischen ihm und EVE hat. Das Streben nach einem Partner und das Aufkommen von Einsamkeit bei WALL•E sind auf “Hello, Dolly!” zurückzuführen. Der wichtigste Teil des Videos ist das Händchenhalten, das von der kleinen Müllpresse als der Inbegriff von Zuneigung, Zusammensein und Liebe verstanden wird. Als der Erkundungsroboter sich herunterfährt, nachdem er sich die Pflanze angeeignet hat, verbringt der verzweifelte WALL•E viele romantische Momente mit ihr. EVE bekommt davon zwar nichts mit, den Zuschauer bewegt das ganze hingegen zutiefst. Während des ganzen Films versucht die Müllpresse mit Herz, EVEs Hand zu greifen, was jedes Mal ergreifend ist: erst recht, wenn EVE nicht darauf reagiert, weil sie der Geste keine Bedeutung zuordnen kann.

Die Entwicklung der Menschen, deren Endstadium – nach 700 Jahren – wir auf der Axiom begutachten können, ist eine Worst Case-Vorhersage der aktuellen Trends, was den steigenden Prozentsatz an Übergewichtigen angeht. Auf biologischer Ebene wird die Entwicklung nur kurz, dafür aber sehr bildlich und auch für Kinder extrem leicht verständlich angeführt. Ob sie anschließend darüber nachdenken, bleibt dahingestellt und das kommt wohl sowieso arg aufs jeweilige Kind an. Aber auch unmündig sind die Menschen geworden und die Roboter haben die volle Kontrolle über sie. Ohne Roboter ist jeder Mensch extrem aufgeschmissen und zu komplett hilflos. Gerade die nicht mehr ganz jungen Kinogänger werden sich im Anschluss an der Streifen ihre Gedanken dazu machen. An unserer heutigen Gesellschaft und deren Verhalten wird auch auf anderen Ebenen durch das Grundgerüst der Handlung Kritik geübt: die Welt ist derart verdreckt, dass die Menschheit ihren Planeten verlassen muss. Dort fegen nun immense Stürme über eine überdimensionierte Müllkippe, auf der keine Pflanzen wachsen und keine Tiere leben können. Klimawandel und Umweltverschmutzung sind also sehr relevante Themen in WALL•E. Gleiches gilt für unsere starke Abhängigkeit von Technik und Maschinen, wie sie dem Zuschauer auf der Axiom präsentiert wird.

Die Menschen werfen einige Fragen auf, die der Film nicht beantworten kann. Z.B. “Wenn es keine (soziale) Interaktion zwischen ihnen gibt, woher kommen dann die Kinder?” oder “Es gibt zwar Babys und Erwachsene, aber nichts dazwischen. Mutieren die Babys also sofort zu Erwachsenen?”. Allerdings sind diese Fragen so unwichtig, dass sie dem Film absolut nicht angekreidet werden können.

Die Roboter auf der Axiom sind ebenfalls treffend gestaltet, der Zuschauerfavorit dürfte hierbei wohl der kleine, Zwängen unterliegende, Schadstoff-Wegputz-Roboter sein: sehr niedlich. Der Fokus liegt, nachdem eine kleine Herde kaputter, psychotischer und verrückter Roboter präsentiert wurde, dennoch auf den beiden Hauptpersonen und das ist auch gut so. Das Paar unähnlicher Roboter steht im Zentrum der Aufmerksamkeit des Publikums; unwichtige Nebenhandlung wird komplett weggelassen und so kommt keine Langeweile auf.

In diesem Animationsfilm kommen auch Videosequenzen vor, die nicht animiert sind. Neben “Hello, Dolly!” handelt es sich unter anderem um Videoaufnahmen vom BnL-Oberhaupt Shelby Forthright (Fred Willard, Austin Powers 2, American Pie 3, Date Movie), die hier tatsächlich als Videoaufnahmen in den animierten Film geschnitten wurden. Eine weitere Sequenz ist die, in der die Axiom vorgestellt wird, und da diese vor 700 Jahren aufgezeichnet wurde, ist sie ebenfalls nicht animiert, sondern eingefügt. Der Film nimmt die Animation an sich an einer Stelle sogar auf die Schippe, in der die Macher die Augen der Zuschauer an der Nase herumführen.

Die Gesichtsanimation der Roboter ist einfach grandios und überwältigend menschlich gelungen. Damit setzt der Film sehr hohe Maßstäbe was Emotionen von vermenschlichten Objekten angeht. Die modernste CGI-Technik wurde hier nicht nur genutzt, sondern voll ausgeschöpft: mit Erfolg. Die Herausforderung Objekte statt Tiere (Das große Krabbeln, Findet Nemo, Ratatouille) vermenschlicht zu animieren haben die Macher des Films also mit Bravour gemeistert.

Am Ende des Films wünscht man sich auf jeden Fall jemanden zum Händchen halten oder ganz schnell dahin zu gehen, wo sich jemand befindet, mit dem man Händchen halten kann. Andernfalls freut man sich riesig darüber, dass diese Person gerade im Kinosessel nebendran sitzt und man dabei ist Händchen zu halten. Somit ist WALLE ein wunderschöner Film, der sich mit
10/10 Punkten

die Höchstwertung verdient hat.

Ach ja(, liebe Männers): bei WALL•E ein paar Tränen zu vergießen,

!!! ACHTUNG, SPOILER !!!

wenner seine Persönlichkeit verliert und seine einzigartige Entwicklung schlagartig um 700 Jahre zurückgeworfen wird, wodurch EVE nun die gleichen Probleme konfrontieren muss wie WALLE vor seinem Gedächnisverlust,

!!! SPOILER ENDE !!!

ist nun wirklich keine Schande.

WALL•E gibt es natürlich auf DVD; und zwar hier.

Andere Meinungen:

Dominik (10/10)
bullion (9/10)
Kaiser_Soze (9/10)
at the movies (9/10)
From Beyond (9/10)
Kaltduscher (9,5/10)
khitos (8/10)
TheRudi (8/10)

Ø 9,1/10

WALL•E – Becher

Trailer

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3 Responses to “Wall•E (2008)”


  1. 1 bullion 4. Oktober 2008 um 11:08 nachmittags

    Da ist jemand aber begeistert… ;-)

    Ist aber auch schon ein verdammt schöner Film, den die Pixarianer da auf die Leinwand gezaubert haben!


  1. 1 Der Pixar-Streich 2009 « isinesunshine Trackback zu 4. Oktober 2008 um 10:33 nachmittags
  2. 2 Presto (2008) « isinesunshine Trackback zu 5. Oktober 2008 um 12:02 vormittags

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