
Gerade erst kam auf dem neu entstandenen Blog „Cliotainment“ die Frage danach auf, ob man wirklich noch mehr Filme über die Zeit des Notionalsozialismus braucht und warum solche Streifen überhaupt in so großen Mengen produziert werden. Anscheinend zählen die guten Aussichten bei der Verkeihung des Academy Award, kurz Oscar, zu den Gründen.
So hat auch jetzt wieder ein Film, der die NS-Zeit thematisiert, in unsere Lichtspielhäuser gefunden. Allerdings liegt der Fokus hier in erster Linie auf die Konzentrationslager und die kindliche Wahrnehmung des 2. Weltkrieges. Um den Holocaust geht es zwar auch, sie steht aber nicht im Mittelpunkt des Films.
Neben der infantil-naiven Wahrnehmung und Sicht z.B. auf die KZs schneidet der Film durch die Mutter des Protagonisten auch die allgemeine naive Sicht an. So weiß die Frau des Konzentrationslager-Vorstehers nicht, dass die Inhaftierten das Lager nur auf einem Weg verlassen – durch den Schornstein. Dies wird heute oft als Augenverschließen zutiefst missbilligt; aus Zeitzeugenberichten weiß ich allerdings, dass das Nicht-Wissen gerade unter Frauen stark verbreitet war – selbst dann, wenn sie in der nähe eines Konzentrations- bzw. Endlagers lebten. Insofern ist dem Film ein hoher Grad an Realitätsnähe diesbezüglich kaum abzuschreiben.
Im Kern geht es aber, wie oben angesprochen, um Kinder. Der Protagonist ist der 8-jährige Bruno, Sohn des KZ-Vorstehers. Er wird gezwungen mit seiner Schwester und seiner Mutter zu seinem Vater zu ziehen – auf einen Militärstützpunkt. Hierzu muss er seine Freunde zurücklassen und im neuen Haus hat er niemanden zum Spielen, in di Schule geht er auch nicht mehr. Da entdeckt er von deinem Zimmerfenster aus einen Bauernhof, wie er es nennt. Doch die Bauern scheinen sehr merkwürdig zu sein – sie tragen den ganzen Tag über gestreifte Pyjamas. Auch im Haus läuft einer von ihnen herum und schält Kartoffeln. Bruno stellt interessierte Fragen, die den Mann zum Weinen bringen, was das Kind absolut nicht versteht.
Die Mutter will weg, schließlich ist das KZ nicht weit genug vom neuen Heim entfernt, der neue Hauslehrer lässt ihre Kinder ausschließlich Propaganda und Anti-Jugen-Lektüre konsumieren und ihre Tochter verwandelt sich von einem netten, puppenliebenden Mädchen in eine treu ergebene Anhängerin des Führers. Was sie nicht weiß ist, dass Bruno sich heimlich aus dem Garten schleicht, um die Gegend zu erkunden.
Hinter einem Stacheldrahtzaun, der elektrisch geladen ist, findet er einen gleichaltrigen Jungen. Immernoch hält er die Gebäude für einen Bauernhof, die Nummern auf den Schlafanzugen ordnet er einem unbekannten Spiel zu un glaubt, der Zaun solle lediglich die Tiere des Bauernhofs am Wegrennen hindern. Die Realität aus dem Mund des Jungen auf der anderen Seite verwirrt ihn nur. Trotzdem kehrt er immer wieder zu seinem neuen Freund hinterm Zaun zurück. Er ist hin- und hergerissen zwischen seinem Vater, dem Juden-verteufelnden Schulstoff und seinem neuen Freund.
Eine andere, kleinere Thematik, wird durch Brunos Großmutter angesprochen, die den Führer und dessen ideale aus tiefster Seele hasst, deren Mann und Sohn aber Verfächter dessen Ansichten sind. Sie ist es auch, die Brunos Mutter zum Nachdenken anstößt und ihre Gesinnung beeinflusst.
Der Junge im gestreiften Pyjama ist ein bewegender Film, der die Endlösung aus einer anderen Perspektive betrachtet als viele andere Vertreter seines Genres: aus den Augen eines Kindes. Der Film ist grundsätzlich vorhersehbar, was sich als kleineres Manko erweist. Er zeigt nichts explizit – keinen Tropfen Blut. Gerade dieser Umstand lässt ihn dem Zuschauer aber umso tiefer unter die Haut gehen, denn der Verzicht auf Eindeutigkeit durch Bilder wird mithilfe von Anspielungen und den sich daraus ableitenden Assoziationen ausgeglichen. So ist die Vorstellung im Kopf des Zuschauers ggf. sogar bildlicher und intensiver als der Film es in Bildern auszudrücken vermocht hätte. Letztendlich bekommt der sehenswerte Film
7/10 Punkten.

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