
Am Dienstag um 19.00 Uhr läuft im Uni-Kino (AudiMax, Geb. B 4.1) der Crime-Thriller “Tödliche Versprechen - Eastern Promises” als OmU und fährt dabei u.a. mit Viggo Mortensen und Vincent Cassell (Die purpurnen Flüsse) auf.

| Land: |
Großbritannien / Kanada / USA |
| Regie: |
David Cronenberg |
| Darsteller: |
Viggo Mortensen, Vincent Cassel, Armin Mueller-Stahl, Naomi Watts |
| Länge: |
100 Min. |
Bei einer Geburt in einem Londoner Krankenhaus stirbt die junge russische Mutter in den Armen der Hebamme Anna (Naomi Watts). Anna setzt alles daran, die Angehörigen des verwaisten Säuglings zu finden, da die Identität der Mutter unbekannt ist. Es wird jedoch vermutet, dass sie eine illegale osteuropäische Prostituierte war. Annas einzige Hinweise sind ein in russisch geschriebenes Tagebuch und ein Streichholzbriefchen mit dem Namen eines russischen Restaurants. Anna folgt der Spur und trifft dabei auf Nikolai (Viggo Mortensen). Der arbeitet für den ebenso einflussreichen wie zwielichtigen Restaurantbesitzer Semyon (Armin Müller-Stahl). Als Anna entdeckt, dass das Tagebuch Beweise enthält, die Semyon und seinen Sohn Kyrill (Vincent Cassel) für viele Jahre hinter Gitter bringen können, schwebt sie bereits in Lebensgefahr.
“Tödliche Versprechen” ist ein spannendes Portrait der russischen Mafia gelungen. Ob es der Realität entspricht, kann wohl keiner beurteilen, aber man kann sich zumindest vorstellen, dass es in Wirklichkeit so abläuft.
Der Film brilliert durch gute Schauspieler, gute Optik und schwarzen Humor. Vor allem Viggo Mortensen überzeugt in seiner Rolle als Mafioso. Ähnlich wie in Cronenbergs früherem Meisterwerk “A History of Violence” wird Brutalität recht detailliert dargestellt, was den Film an Glaubwürdigkeit gewinnen lässt.
Passend hierzu ist der Film das Titelthema des Filmparts der aktuellen Ausgabe ( 06|08 ) des piranha (kostenlos im Saturn erhältich), in dem der Streifen vom Autoren des entsprechenden Artikels (Gerhard Maier) als “meisterhafter Genre-Meilenstein” gelobt wird:
Ein junger Mann, der statt einer Rasur per Rasiermesser einen Lüftungsschlitz in der Haksregion verpasst bekommt, ist der harte Einstieg in David Cronenbergs brillianten Crime-Thriller “Tödliche Versprechen - Eastern Promises”, der tief in die Londoner Unterwelt führt.
Aus jener Schattenwelt, so ein Leben nichts wert ist und die Sitten rau sind, stammt auch eine namenlose minderjährige Schwangere, die eines Nachts auf die Station der Hebamme Anna (Naomi Watts) eingeliefert wird. Während der Geburt des Kindes verstirbt die junge Frau, nichts außer einem in Russisch verfassten Tagebuch hinterlassend. Anna will dem Baby die Odyssee durch die Insitutionen staatlicher Fürsorge ersparen und begibt sich mit eben jenem Tagebuch bewaffnet auf die Suche nach der Familie des toten Mädchens. Erste Spuren führen Anna zum Restaurant des scheinbar vertrauenswürdigen Semjon (Armin Müller-Stahl), der bereitwillig seine Hilfe bei der Übersetzung des Tagebuches anbietet. Was Anna jedoch ncit ahnt: Semjon, sein Sohn Kirill (Vincent Cassel) und dessen Fahrer und Bodyguard Nikolai (Viggo Mortensen) sind Mitglieder der berüchtigten Bruderschaft Vory V Zakone, Speerspitze der organisierten Kriminalität Marke Russland. Ebenso wie das Restaurant nur Fassade für das Verbrechensimperium des Patriarchen Semjon ist, sind seine geheuchelte Anteilnahme und sein Familiensinn nur Blendwerk. Stattdessen schmiedet Semjon schön Pläne, das Tagebuch zu vernichten, finden sich darin doch höchst belastende Aussagen, die den Mafiaboss in bedrängnis bringen könnten. Dadurch ausgelöst setzt sich eine Kette von Ereignissen in Gang, die mit Mord, Verrat und Intrigen das Leben jedes der Beteiligten erschüttern wird und vor allem Nikolai an die Grenzen dessen führen wird, was sein Gewissen erlaubt.
Nur an der Oberfläche erscheint Cronenbergs zweite Zusammenarbeit mit Viggo Mortensen als Gradliniger Crime-Thriller, denn was der Regisseur aus dem Drehbuch des Engländers Steven Knight bastelt, ist nichts Geringeres als eine virtuose Neuinterpretation des Genres. In einem düsteren Spiegelbild Londons leuchtet Cronenberg eine Schattenwelt aus, in der Loyalität und Lippenbekenntnis bleibt, moralische Grenzen nicht existent und Ausbrüche brutaler Gewalt ständige Wegbegleiter sind. Vor diesem Hintergrunf lässt Cronenberg seine Figuren als facettenreiche und nachvollziehbare Charaktere erstehen und flicht aus dem sozialen Gewerbe seiner Protagonisten mit inszenatorisch höchste Geschick eine düster schimmernde Perle des Crime-Kinos. Denn den hinter jeder iegung lauernden Einblicken in Motivation nud Psyche seiner Figuren setzt Cronenberg plötzliche Explosionen von Gewalt gegenüber und zieht sein Publikum immer tiefer in den Sog der sich auffärchenden Geschichte. Der vierminütige Kampf des unbekleideten Nikolai gegen zwei Angreifer im nüchternen Ambiente eines Dampfbades berauscht als formidabel umgesetztes Ballet der Brutalitäten ebenso wie die mit überraschenden Wendungen gespickte Handlung, die Cronenberg in inszenatorischer Strenge entfaltet. Als Indiz dafür, dass Cronenberg zu den derzeit wichtigsten Regisseuren zählt, als fesselndes Unterweltdrama und nicht zuletzt als meisterhafter Genre-Meilenstein ein unabdinglicher Tipp.
Ich hoffe, dass ich am Dienstag im Kino vertreten bin und diese Meinung anschließend unter- bzw. meine eigene aufschreiben kann. Dank des vorstehenden Artikels sind meine Erwartungen an den Film jedenfalls relativ hoch.
übrigens: Das DVD-Release ist nächsten Montag ( 02.06.2008 )
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